Von Schafen und Dahlien.

Über einen, der gerne viele hatte.

Ein visuelles Interview

Von Ihm hier will ich kurz erzählen…

Ich vermute er hat mich beeinflusst und geprägt wie kein anderer. Ich will vom Schönen berichten. Von dem was geblieben ist, und davon, dass ich heute froh bin, vor vielen Jahren, das getan zu haben, wofür mich damals alle für verrückt erklärten. Ich habe ihm diese Bilder abgerungen, die bekannte, etwas verletzende Abweisung einer Idee mal wieder ausgehalten. Ich wusste dass es sich lohnt hartnäckig zu bleiben und dass kein Weg mehr daran vorbeigeht, ihn zu etwas zu überreden, wogegen er sich so sehr gesträubt hat. So kam es zu einem der ganz wenigen Momente in denen er mich an seinem geheimnisvollen, kreativen etwas verrückten Potential hat teilhaben lassen. Für kurze Zeit wurde er ein anderer. Einer, den ich hinter all den Schimpfereien und der Sturheit immer vermutet hatte. Für eine knappe halbe Stunde war er großartig. Er hat mir was gezeigt, was er mir, wie ich heute weiss, mitgegeben hat. Leider gab es solche Momente zu selten. Jetzt kralle ich mich an diese Bilder wie eine Hummel an einen spätherbstlichen Blütenkelch. Sie zeigen mir heute einen Menschen nach dem ich mich damals gesehnt habe. Sie erzählen mir von jemandem den ich mir immer gewünscht hätte.

Mein Vater starb im November 2019 an gebrochenem Herzen.

Über 900 Dahlienstöcke nannte er sein Eigen und auch beim Namen. Auswendig. Das bemerkte ich allerdings erst später. Mit ein paar Stöcken fing 1978 alles ganz harmlos an. Die folgenden Sommer darauf wurden Mamas Gemüsebeete immer weniger. Bald sah es hinterm aus Haus aus wie auf der Bundesgartenschau. Einige Jahre später musste noch ein ziemlich großer Schrebergärten dazu gepachtet werden. Die Sammlung sprengte langsam den Rahmen den unser riesiger Garten zur Verfügung stellte. In der Hochphase wurde sogar noch ein großes Stück Erdfläche eines Altenheimes mit einem Dahliengarten genötigt.
Wir hätten ihn damals gerne bei WETTEN DASS angemeldet.
Irgendwann jedoch lies die Kraft nach. Seine Lebensenergie wurde weniger und die Sturheit immer größer. Es war schmerzlich (für mich mit anzusehen), wie er auch diese Herde aufgeben musste. Früher, in der ehem. DDR, hütete ein 14 jähriger Junge für viele Jahre hunderte von Schafen. Irgendwann dann hat er Kleine, schon etwas größer geworden dann „rübergemacht“, meine Mutter kennengelernt, sich mit Ihr ein neues Leben aufgebaut, meine Schwester und mich in die Welt gesetzt und sich wieder eine neue große Herde aufgebaut. Mit ihr hat er sehr viele Menschen und sich selbst, sehr glücklich gemacht.
Diesmal war es eine bunte.

Dahlie Rolf (Eigenzüchtung)
die Züchtung einer Vroni, Claudia oder Marion blieb leider erfolglos.
Nur die Rolf überlebte.

Seine Maßlosigkeit, seine Bedingungslosigkeit, sein Durchhaltevermögen und auch seine Sturheit in der Sache. All die sind heute mein. Ich werde sie in Ehren halten.

Vernissage von zum Glück, 2003 bei piso+garz

In ewiger Erinnerung.